Multisport Europameisterschaften Ibiza

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Leif
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Multisport Europameisterschaften Ibiza

Beitrag von Leif » 2. Nov 2018, 10:18

Europameisterschaften Swim & Bike 2018

In der Woche vom 20-28.10.2018 fanden die Mutisport-Europameistrerschaften statt. Mein Wettkampf Swim & Bike sollte zusammen mit der Mitteldistanz am 27.10 stattfinden.

Da die Urlaubssaison beendet war, wurde es schwierig überhaupt noch eine Unterkunft und einen Flug zu finden. So machten mein Vater und ich uns am Montag schon auf die Reise nach Ibiza.

Nachdem ich mein Rad zusammengebaut hatte konnte ich am zweiten Tag die Radstrecke erkunden. Es stellte sich heraus, dass es eine recht anspruchsvolle Strecke war mit knapp 1000hm und vielen engen Kurven. Zudem war die Strecke, die man in zwei Runden fahren sollte (2x 45km), mit „Verkehrsberuhigungschwellen“ übersät, was besonders bei den Abfahrten gefährlich werden konnte. Die Schwimmstecke (1900m) sollte um eine Insel gehen.

Am Tag vor dem Wettkampf habe ich meine Startunterlagen abgeholt und bin zum "Briefing“ gewesen. Alles wurde sehr schnell und auf Englisch erklärt. Danach das übliche: Wechselbeutel packen, Beine rasieren, Rad nochmal durchgecheckt...

Das Wetter war bis zum Wettkampftag ideal: 25 Grad, Sonne und eine Wassertemperatur von über 24 Grad. Leider aber auch nur bis zum Wettkampftag, denn am Morgen des 27. Oktobers hat es aus Kübeln gegossen und sehr stark gewittert. Es war so stark, dass wir nicht wussten wie wir zum 3km entfernten Veranstaltungsort kommen sollten, denn schon auf den Weg vom Hotelzimmer zum Mietwagen konnten wir unsere Klamotten auswringen. Nützt ja nichts! Mein Vater fuhr mit dem Mietwagen und ich auf dem Rad zur Wechselzone. Auf dem Weg schlossen sich mir weitere Athleten an und wir fuhren durch die 30cm tiefen Pfützen zum Veranstaltungsort.
Dort die erste Mitteilung: Start wird um eine halbe Stunde verschoben. Wenige Minuten dann die zweite Schockmeldung: Start wird nochmal um eine Stunde verschoben und die Radstrecke wird um die Hälfte (45km) gekürzt, damit die letzten nicht im Dunkeln Radfahren müssen.
Ok...Was nun? Verpflegung ist kritisch und was eineinhalb Stunden machen? Sachen habe ich schon vorher abgegeben, sodass ich barfuß im nassen Einteiler in der Wechselzone stand. Wir verbrachten dann die Wartezeit im Auto. Ich versuchte meinen Energielevel mit Bananen und Gels aufrecht zu halten. Optimal ist was anderes.

Dann war es langsam soweit.
Zurück in der Wechselzone den Neo an und ab in den Startbereich am Strand. Die Organisation war grauenhaft. Durch den verschobenen Start wusste niemand genau wann er starten sollte.
Selbst der Start war chaotisch, da einige einen Frühstart machten und es dafür keine Zeitstrafe gab. Ich konnte trotzdem gleich am Anfang einige Meter gewinnen. Durch meine langen Beine konnte ich 3-4m weiter ins Wasser laufen als die meisten anderen. Ich hatte schnell meinen Rhythmus gefunden. Es dauerte nicht lange, bis ich auf die erste Gruppe aufgeschwommen war. Ich war in der letzten Startgruppe. Es stellte sich heraus das die Gerüchte, dass die Schwimmstecke keine 1900m sondern 2200m sein sollte, berechtigt war. Trotz allem war ich sehr zufrieden mit meiner Zeit von ca. 29min (1:18 auf 100m). Es ging aus dem Wasser 100m im Strandsand zum Wechselzelt. Dort Beutel raussuchen, Neo ausziehen, Helm aufsetzen und alle Schwimmsachen im Beutel verstauen. Danach ging es durch die unendlich lange Wechselzone zu meinem Rad, was zum Glück kurz vorm Ende platziert war. Mein Vater rief mir zu: 10. mit knapp 2min Rückstand.

Rad weitere 200m aus der Wechselzone geschoben und aufgestiegen. Nach kurzer Zeit hatte auch ich die Radschuhe an und konnte beginnen meine Stärke auszuspielen. Leider bemerkte ich schnell, dass mein Wattmesssystem nicht funktionierte. So versuchte ich auf mein Gefühl zu hören. Schnell überholte ich einen nach dem anderen. Reine Euphorie machte sich bei mir breit und motivierte mich zunehmend. So rollte ich das ganze Feld von hinten auf. Die Strecke ging auf dem Hinweg eigentlich kontinuierlich bergauf, was mir durch mein hohes Gewicht nicht entgegenkam. Ich musste mich die Steigungen hochquälen. Erst ab dem Wendepunkt konnte ich meine Stärken komplett ausspielen. Ein weiterer Vorteil für mich waren die Bedingungen, denn die Straße war noch immer nass und es nieselte. Die Verkehrsberuhigungsschwellen machten sich auf dem Rückweg erst richtig bemerkbar, da ich die meiste Zeit jenseits der 50km/h unterwegs war. Ich habe versucht, mein Vorderrad hochzuziehen. Klappte auch ganz gut, leider schlug mein Hinterrad voll gegen die Schwellen. Zudem sprang das Hinterrad und wurde durch den starken Wind zur Seite gedrückt.

Das Feld wurde zunehmend dünner. Die geplante Verpflegungsstation wurde durch die gekürzte Radstrecke nicht einmal aufgebaut. Dann ging es die letzten 5km durch die Stadt. Einige Kreisverkehre passieren und dann der Schlusssprint. Doch wo war wie im Briefing beschrieben, das Schild das das Ziel 500m vorher ankündigen sollte? Wir kamen alle ganz verwirrt mit hoher Geschwindigkeit zum Absteigebereich der Mitteldistanz. Ich rief lautstark wo denn unser Ziel wäre und ein Helfer antwortete: „You have finisht“.
Ich stieg etwas verwirrt vom Rad und mein Vater kam mir schon entgegen mit den Worten: „Du bist Gesamt 3.!“
Ich konnte es kaum glauben. Aber meine Freude hielt sich in Grenzen, weil ich über die Organisierung der Veranstaltung sehr enttäuscht war.
Mit 2 anderen Finishern und einem Wettkampfrichter diskutierten wir, wie es sein kann, dass es für uns keinen Zielbereich gab. Wir mussten im nassen Einteiler auf den Shuttle warten (es war grade mal 15 Grad). Unsere Wechselsachen waren ja im 5km entfernten Zielbereich der Mitteldistanz gebracht worden. So liefen wir durch die komplette Wechselzone auf der Suche nach dem Shuttle. Keiner wusste Bescheid. Dann wurden wir angemault, dass wir gefälligst unser Rad auschecken sollten. Langsam riss uns der Geduldsfaden.
So sagte ich meinem Vater, dass er schon mal zum Hotel fahren soll und dort auf mich warten soll. Wir also zurück, wo uns der Racedirektor zur Rede stellte und uns verbot die Räder auszuchecken. Was nun machen?
Mein Vater wartet im Hotel und ich hatte nicht einmal ein Handy. Es folgte eine weitere Diskussion und nun kamen schon weitere Athleten dazu, so dass es fast eskalierte. Nach weiteren hin und her liefen wir zurück zum angeblichen Shuttle. Ich fragte im Hotel ob ich meinem Vater anrufen könnte, doch sollte ich das bezahlen.
Lustig wie soll ich bezahlen? So nur in einem Einteiler? Nach kurzer Zeit ließ man mich doch telefonieren. Ich erklärte meinem Vater die Situation. Inzwischen stand ich dort noch einmal über 20min bis endlich ein Kleinbus kam. Ich beeilte mich um einen Platz zu bekommen.
Der Bus brauchte eine halbe Stunde für die 5km, da durch die gesperrten Straßen die komplette Stadt verstopft war.
Im Bus war ein Engländer der schon Ergebnisse hatte. Natürlich habe ich ihn sofort nach meiner Platzierung gefragt. Es bestätigte sich, dass ich 3. Gesamt und 1. in meiner Altersklasse geworden war.
Nicht nur bei mir machte sich Freude breit, sondern alle im Bus freuten sich mit! Ein sehr schöner Moment.
Der Bus hielt und wir liefen Richtung Ziel.
Um in den Zielbereich zu kommen, mussten wir auf die Laufstrecke und noch einmal durchs Ziel laufen. Lustig mit Helm in der einen Hand und Radschuhe in der Anderen.
Das ist mein schönstes Finisherfoto überhaupt!
Naja, nun war ich endlich im Zielbereich, 2h nach dem Zieleinlauf. Endlich konnte ich mir warme, trockene Sachen anziehen und mich ausreichend verpflegen.
Normalerweise werden sofort die ersten 3 Männer und Frauen geehrt. Es fand jedoch nur die Siegerehrung für die Mitteldistanz statt. Die Siegerehrung für Swim & Bike sollte bei der Abschlussfeier ab 23 Uhr stattfinden. So konnte ich zurück ins Hotel und endlich duschen :D
Wir hatten also noch 3 h Zeit. Ich war ziemlich erschöpft wäre eigentlich lieber ins Bett gegangen. Die Feier begann nach spanischer Sitte erst kurz vor Mitternacht.
Ich verpasste fast meine Ehrung, da die Aussprache meines Namens nicht ansatzweise der meiner ähnelte.
Vorort wurden natürlich noch die Zeiten analysiert und Kontakte zu anderen Athleten des Nationalteams geknüpft. Dabei fiel auf, dass ich die schnellste Radzeit von allen 800 Teilnehmern hatte und das mit 2 min Vorsprung. Zudem hatten nur 4 von 30 Elitetriathleten eine schnellere Zeit. Des Weiteren hatte ich meine Altersklasse dominiert, 12min vor dem 2ten. Das freute mich noch viel mehr als nur mein Titel!

Die letzten Tage waren noch sehr entspannt.
In Hamburg gelandet, wurde uns mitgeteilt, dass mein Fahrradkoffer leider in Barcelona vergessen wurde. Na toll.
Ich hoffe sehr, dass der Koffer nun schnellstmöglich geliefert wird.

Mit sportlichen Grüßen
Leif Johannsen

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