Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
- OliverStief
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Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
Anreise und erste Etappe
März 2025. Unsere kleine Athletico-Reisegruppe - bestehend aus Vater und Sohn - freute sich auf das nächste gemeinsame Abenteuer. Eine Woche Radfahren an der Costa Blanca, Spanien; so der Plan. Die Unterkunft: Das Solymar Grand Hotel in Calp. Die Auswahl der Unterkunft war kein Zufall: Unter anderem beherbergte es die Profi-Teams Groupama FDJ, Cofidis, Total Energys und Astana Qazaqstan. Passende Rahmenbedingungen also für unsere beiden Sportsfreunde. Mangels Flügen ab Hamburg zu dieser Jahreszeit gestaltete sich die Anreise mit Zwischenstop und Übernachtung direkt am Flughafen Köln-Bonn. Am Samstag, um 6:30 Uhr morgens, hob die Maschine pünktlich ab und landete knapp über zwei Stunden später in Alicante. Nach der Landung ging es per Kleinbus direkt weiter zum Hotel. Nachdem das Zimmer bezogen und alles hergerichtet war, ging es gegen 14:30 Uhr auf die erste Etappe, um die Körper auf Betriebstemperatur zu bringen. Nach dem gestrigen Ruhetag im ICE musste dringend eine Passshöhe genommen werden, Port de Bernia war mit rund 620 Metern ü. NN der höchste Punkt der Ausfahrt. Direkt ab dem Hotel ging es mit Steigungswerten bis zwölf, im weiteren Verlauf bis zu siebzehn Prozent knapp fünfundzwanzig Kilometer bergauf - ein traumhafter Blick auf die malerische Küstenlandschaft inbegriffen. Okay! Anschwitzen begann für die nächsten Tage demnach immer ab Kilometer Null. Unsere beiden Rad-Enthusiasten waren nicht allein unterwegs. Im Verlauf des kurzen Ausflugs kamen ihnen immer wieder Rennradfahrer in mehr oder weniger großen Gruppen entgegen. Die Costa Blanca gilt neben Mallorca als ein weiteres Radsport-Mekka in Spanien. - Nach knapp sechzig Kilometern kehrten unsere Sportsfreunde zufrieden, die Beine um tausendeinhundert Höhenmeter bereichert, zurück zum Hotel.
https://www.komoot.de/tour/2100026917?r ... 1b4O52pTx4
März 2025. Unsere kleine Athletico-Reisegruppe - bestehend aus Vater und Sohn - freute sich auf das nächste gemeinsame Abenteuer. Eine Woche Radfahren an der Costa Blanca, Spanien; so der Plan. Die Unterkunft: Das Solymar Grand Hotel in Calp. Die Auswahl der Unterkunft war kein Zufall: Unter anderem beherbergte es die Profi-Teams Groupama FDJ, Cofidis, Total Energys und Astana Qazaqstan. Passende Rahmenbedingungen also für unsere beiden Sportsfreunde. Mangels Flügen ab Hamburg zu dieser Jahreszeit gestaltete sich die Anreise mit Zwischenstop und Übernachtung direkt am Flughafen Köln-Bonn. Am Samstag, um 6:30 Uhr morgens, hob die Maschine pünktlich ab und landete knapp über zwei Stunden später in Alicante. Nach der Landung ging es per Kleinbus direkt weiter zum Hotel. Nachdem das Zimmer bezogen und alles hergerichtet war, ging es gegen 14:30 Uhr auf die erste Etappe, um die Körper auf Betriebstemperatur zu bringen. Nach dem gestrigen Ruhetag im ICE musste dringend eine Passshöhe genommen werden, Port de Bernia war mit rund 620 Metern ü. NN der höchste Punkt der Ausfahrt. Direkt ab dem Hotel ging es mit Steigungswerten bis zwölf, im weiteren Verlauf bis zu siebzehn Prozent knapp fünfundzwanzig Kilometer bergauf - ein traumhafter Blick auf die malerische Küstenlandschaft inbegriffen. Okay! Anschwitzen begann für die nächsten Tage demnach immer ab Kilometer Null. Unsere beiden Rad-Enthusiasten waren nicht allein unterwegs. Im Verlauf des kurzen Ausflugs kamen ihnen immer wieder Rennradfahrer in mehr oder weniger großen Gruppen entgegen. Die Costa Blanca gilt neben Mallorca als ein weiteres Radsport-Mekka in Spanien. - Nach knapp sechzig Kilometern kehrten unsere Sportsfreunde zufrieden, die Beine um tausendeinhundert Höhenmeter bereichert, zurück zum Hotel.
https://www.komoot.de/tour/2100026917?r ... 1b4O52pTx4
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- Keine Sorge! Aus diesen Einzelteilen entsteht in wenigen Minuten ein vollwertiges Rennrad.
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- OliverStief
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Re: Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
Zweite Etappe - Stilles Leiden im Parc Natural de la Serra d Mariola
Gestartet wurde um Punkt sieben Uhr nach ausgiebiger Routenplanung und dem obligatorischen Fünf-Uhr-Kaffee im Bett, also noch vor Sonnenaufgang. Auf Frühstück wurde vorerst verzichtet. Die Königsetappe stand für heute auf dem Plan. Über Fustera, Xalo, Faqeeza und Gorga ging es vorerst nach Millena. So langsam machten die Energiehaushalte sich bemerkbar. Dreieinhalb Stunden nach dem Start, bei Kilometer sechzig, davon die ersten fünfzig mehr oder weniger nur bergauf, wurde das Frühstück in einem kleinen Café eingenommen (es ist erstaunlich, zu welchen Dezibel-Werten die spanische Gesellschaft fähig ist). Ganz im Gegensatz dazu herrschte auf den Straßen eine Stille, wie in den 1970er an den autofreien Sonntagen. Anschließend ging es mit neuer Energie - und Pfeifen in den Ohren - weiter über Bocairent zum nächsten Anstieg: Zehn Kilometer Kletterei auf bis zu neunhundert Meter ü NN. Den malerischen Nationalpark im Landesinneren der Valencianischen Gemeinschaft durchquert man auf einem Höhenplateau. - Stille, weiterhin nahezu kein PKW-Verkehr! Autofahrten waren offenbar sonntags in dieser Gegend verpönt. Der höchste Punkt des Tages wurde bei Kilometer hundertvierzig passiert - eingebettet zwischen Kiefernwäldern und Kalksteinfelsen. Es folgte eine traumhafte, kurvenreiche Steckenführung durch dünn besiedelte, mit Olivenhainen gespickte Landschaft. Die letzte Stärkung des Tages wurde in El Castel de Guadalest eingenommen. T. fragte noch, weshalb O. überhaupt den Helm ablegte. Dauer des Aufenthaltes inklusive Cafe con Leche, Käsekuchen und Rechnungsbegleichung: acht Minuten. Ein Blick zurück offenbarte zuvor eine dicke Regenfront, die sich zügig auf den Aufenthaltsort und die spanische Ostküste zubewegte. Mit beginnendem, leichten Sprühregen ging es - Vollgas auf noch trockenen Straßen in die Pedale tretend - die restlichen dreiunddreißig Kilometer, davon die ersten siebzehn bergab, mit teils abenteuerlicher Geschwindigkeit zurück zum Hotel. Anfangs konnte der Abstand zur Regenfront ein wenig vergrößert werden. In Calp waren die Straßen schließlich nass; jedoch waren es nur noch wenige hundert Meter zur Unterkunft.
Fazit des Tages: 185 Gesamtkilometer, 3.300 Höhenmeter - und das Pfeifen in den Ohren war auch irgendwann wieder verschwunden.
https://www.komoot.de/tour/2102139112?r ... 8MDHJ1xQgZ
Gestartet wurde um Punkt sieben Uhr nach ausgiebiger Routenplanung und dem obligatorischen Fünf-Uhr-Kaffee im Bett, also noch vor Sonnenaufgang. Auf Frühstück wurde vorerst verzichtet. Die Königsetappe stand für heute auf dem Plan. Über Fustera, Xalo, Faqeeza und Gorga ging es vorerst nach Millena. So langsam machten die Energiehaushalte sich bemerkbar. Dreieinhalb Stunden nach dem Start, bei Kilometer sechzig, davon die ersten fünfzig mehr oder weniger nur bergauf, wurde das Frühstück in einem kleinen Café eingenommen (es ist erstaunlich, zu welchen Dezibel-Werten die spanische Gesellschaft fähig ist). Ganz im Gegensatz dazu herrschte auf den Straßen eine Stille, wie in den 1970er an den autofreien Sonntagen. Anschließend ging es mit neuer Energie - und Pfeifen in den Ohren - weiter über Bocairent zum nächsten Anstieg: Zehn Kilometer Kletterei auf bis zu neunhundert Meter ü NN. Den malerischen Nationalpark im Landesinneren der Valencianischen Gemeinschaft durchquert man auf einem Höhenplateau. - Stille, weiterhin nahezu kein PKW-Verkehr! Autofahrten waren offenbar sonntags in dieser Gegend verpönt. Der höchste Punkt des Tages wurde bei Kilometer hundertvierzig passiert - eingebettet zwischen Kiefernwäldern und Kalksteinfelsen. Es folgte eine traumhafte, kurvenreiche Steckenführung durch dünn besiedelte, mit Olivenhainen gespickte Landschaft. Die letzte Stärkung des Tages wurde in El Castel de Guadalest eingenommen. T. fragte noch, weshalb O. überhaupt den Helm ablegte. Dauer des Aufenthaltes inklusive Cafe con Leche, Käsekuchen und Rechnungsbegleichung: acht Minuten. Ein Blick zurück offenbarte zuvor eine dicke Regenfront, die sich zügig auf den Aufenthaltsort und die spanische Ostküste zubewegte. Mit beginnendem, leichten Sprühregen ging es - Vollgas auf noch trockenen Straßen in die Pedale tretend - die restlichen dreiunddreißig Kilometer, davon die ersten siebzehn bergab, mit teils abenteuerlicher Geschwindigkeit zurück zum Hotel. Anfangs konnte der Abstand zur Regenfront ein wenig vergrößert werden. In Calp waren die Straßen schließlich nass; jedoch waren es nur noch wenige hundert Meter zur Unterkunft.
Fazit des Tages: 185 Gesamtkilometer, 3.300 Höhenmeter - und das Pfeifen in den Ohren war auch irgendwann wieder verschwunden.
https://www.komoot.de/tour/2102139112?r ... 8MDHJ1xQgZ
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- OliverStief
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Re: Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
Dritte Etappe - Puerto de El Gallo und Puerto de Benifallim
Morgens um fünf Uhr beim Kaffee: ein Blick auf den Wetterbericht. Die Vorhersage für den Tag verhieß nichts Gutes: Dauerregen mit Temperaturen knapp im zweistelligen Bereich. Also… noch einmal umgedreht, wieder eingeschlafen und erst kurz vor halb acht aufgewacht. Erneut wurde die Frage über die Tagesgestaltung diskutiert. Glücklicherweise wartete das Haus mit allem erdenklichen Komfort auf. Top ausgestattetes Fitnessstudio, Indoor-Pool, Sauna, Spa-Bereich, diverse Bars mit Wohlfühl-Atmosphäre… Die beiden haben sich den Aufenthalt etwas kosten lassen. Das Hotel war sehr gut gebucht. Alles in allem hielten sich wohl mehrere hundert Menschen im Gebäude auf - die wohl allesamt bei diesem Wetter die zuvor beschriebenen Einrichtungen besuchten. Was für ein Gedränge! Ein Blick auf den Komoot-Routenplaner bot interessante Alternativen und legte die Aktivität für heute fest - zumindest für T. Von Erholung stand da nichts. Vielmehr war eine weitere fette Herausforderung vorgesehen: die Passhöhen Puerto de El Gallo (890 m über NN) und Puerto de Benifallim (1015 m über NN). Wie gesagt: das Wetter… An der Küstenstraße sollte die Schauertätigkeit etwas geringer ausfallen. O. schlug eine verkürzte Route Richtung Benidorm vor, Dauer: vielleicht zweieinhalb Stunden. T. ließ sich jedoch nicht umstimmen. Für die Planung war schließlich vor Wochen viel Zeit investiert worden.
Um 10:30 Uhr war Abfahrt. Der Regen hielt sich zurück. T. fuhr voraus; immer soweit, dass miteinander Diskutieren nicht möglich war. In Benidorm ging es nach Westen - eine erste Rampe wurde bestiegen. Der Blick auf die Berge war alles andere als verheißungsvoll. Wolkenverhangene Gipfel; trübes Grau war die dominierende Farbe. Es folgte ein Flachstück und die Route führte in einen wunderschönen Talkessel. Die Straßen waren nass, aber der Himmel hielt halbwegs dicht.
Schließlich erreichten die beiden den Abzweiger zu ersten Passhöhe des Tages: siebzehn Kilometer strammes Geklettere lag vor unseren Sportsfreunden. Der alte fuhr weiterhin immer hinterher. In einem früheren Artikel wurde es schon einmal beschrieben. Das Kind hat bei der Streckenauswahl immer Recht - für den Familienfrieden. Es half also nichts.
Das positive an Schlechtwetter-Prognosen ist, dass sie nahezu immer zutreffen. Auf halber Höhe ging der leichte Niederschlag in Dauerregen über. Die Temperaturen sanken auf niedrige einstellige Werte. Bergauf ist das normalerweise kein Problem. Es herrschte Windstille, das Tempo war ruhig und die Körper blieben bis auf Hände und Füße halbwegs warm. - Und da war sie wieder, diese Stille. Die ganze Zeit waren nahezu keine Kraftfahrzeuge unterwegs - stundenlang. Radfahrer waren übrigens auch nicht anzutreffen, nicht ein einziger. Die Gaststätte am Gipfel hatte geschlossen. Jetzt eine eiskalte Cola oder ein Eis… Nach kurzem Sturzflug samt dreihundert Meter Höhenverlust begann die Kletterei von neuem. Oben angekommen wurde angezogen, was die Rückentaschen hergaben. Siebzig Kilometer hatten die beiden bisher zurückgelegt. Der anspruchsvollere Teil folgte jetzt, die bei diesen Temperaturen gefühlt endlos lange Abfahrt bis zur nächsten Rampe. Plötzlich, am Straßenrand ein Gehahrenzeichen, verbunden mit dem Hinweis auf eine zwanzigprozentige Gefälle-Strecke; auf den folgenden zwanzigprozentigen Gegenstich wurde nicht hingewiesen. Die steif gefrorenen Hände suchten verzweifelt nach dem kleinsten Gang, Puls schlagartig auf hundertachtzig…!
Mit mäßigem Tempo, permanent pedalierend, ging es talwärts. Nach einiger Zeit folgte erneut ein zehn Kilometer langer Anstieg, der die erfrorenen Körperteile wieder zum schmelzen brachte. Die letzten fünfzig Kilometer ging es mehr oder weniger permanent bergab zurück zum Hotel. Gegen Ende der Tour kam sogar die Sonne noch durch die Wolkendecke zum Vorschein - in Form eines großen Mittelfingers. Um 17:30 Uhr war die (Tor)Tour zu Ende. Die Räder wurden mit dem Hotel eigenen Hochdruckreiniger vom Tagesdreck befreit und unsere Sportsfreunde freuten sich auf die wärmende Dusche.
Fazit des Tages: rund 140 Gesamtkilometer und 2.600 Höhenmeter - und unsere Sportsfreunde wissen jetzt, wie diese Jungs sich am vergangenen Sonntag gefühlt haben müssen: https://www.instagram.com/reel/DHOYvH8I ... _copy_link
Link zur Tour:
https://www.komoot.de/tour/2103729012?r ... Ku0YrKC6s8
Morgens um fünf Uhr beim Kaffee: ein Blick auf den Wetterbericht. Die Vorhersage für den Tag verhieß nichts Gutes: Dauerregen mit Temperaturen knapp im zweistelligen Bereich. Also… noch einmal umgedreht, wieder eingeschlafen und erst kurz vor halb acht aufgewacht. Erneut wurde die Frage über die Tagesgestaltung diskutiert. Glücklicherweise wartete das Haus mit allem erdenklichen Komfort auf. Top ausgestattetes Fitnessstudio, Indoor-Pool, Sauna, Spa-Bereich, diverse Bars mit Wohlfühl-Atmosphäre… Die beiden haben sich den Aufenthalt etwas kosten lassen. Das Hotel war sehr gut gebucht. Alles in allem hielten sich wohl mehrere hundert Menschen im Gebäude auf - die wohl allesamt bei diesem Wetter die zuvor beschriebenen Einrichtungen besuchten. Was für ein Gedränge! Ein Blick auf den Komoot-Routenplaner bot interessante Alternativen und legte die Aktivität für heute fest - zumindest für T. Von Erholung stand da nichts. Vielmehr war eine weitere fette Herausforderung vorgesehen: die Passhöhen Puerto de El Gallo (890 m über NN) und Puerto de Benifallim (1015 m über NN). Wie gesagt: das Wetter… An der Küstenstraße sollte die Schauertätigkeit etwas geringer ausfallen. O. schlug eine verkürzte Route Richtung Benidorm vor, Dauer: vielleicht zweieinhalb Stunden. T. ließ sich jedoch nicht umstimmen. Für die Planung war schließlich vor Wochen viel Zeit investiert worden.
Um 10:30 Uhr war Abfahrt. Der Regen hielt sich zurück. T. fuhr voraus; immer soweit, dass miteinander Diskutieren nicht möglich war. In Benidorm ging es nach Westen - eine erste Rampe wurde bestiegen. Der Blick auf die Berge war alles andere als verheißungsvoll. Wolkenverhangene Gipfel; trübes Grau war die dominierende Farbe. Es folgte ein Flachstück und die Route führte in einen wunderschönen Talkessel. Die Straßen waren nass, aber der Himmel hielt halbwegs dicht.
Schließlich erreichten die beiden den Abzweiger zu ersten Passhöhe des Tages: siebzehn Kilometer strammes Geklettere lag vor unseren Sportsfreunden. Der alte fuhr weiterhin immer hinterher. In einem früheren Artikel wurde es schon einmal beschrieben. Das Kind hat bei der Streckenauswahl immer Recht - für den Familienfrieden. Es half also nichts.
Das positive an Schlechtwetter-Prognosen ist, dass sie nahezu immer zutreffen. Auf halber Höhe ging der leichte Niederschlag in Dauerregen über. Die Temperaturen sanken auf niedrige einstellige Werte. Bergauf ist das normalerweise kein Problem. Es herrschte Windstille, das Tempo war ruhig und die Körper blieben bis auf Hände und Füße halbwegs warm. - Und da war sie wieder, diese Stille. Die ganze Zeit waren nahezu keine Kraftfahrzeuge unterwegs - stundenlang. Radfahrer waren übrigens auch nicht anzutreffen, nicht ein einziger. Die Gaststätte am Gipfel hatte geschlossen. Jetzt eine eiskalte Cola oder ein Eis… Nach kurzem Sturzflug samt dreihundert Meter Höhenverlust begann die Kletterei von neuem. Oben angekommen wurde angezogen, was die Rückentaschen hergaben. Siebzig Kilometer hatten die beiden bisher zurückgelegt. Der anspruchsvollere Teil folgte jetzt, die bei diesen Temperaturen gefühlt endlos lange Abfahrt bis zur nächsten Rampe. Plötzlich, am Straßenrand ein Gehahrenzeichen, verbunden mit dem Hinweis auf eine zwanzigprozentige Gefälle-Strecke; auf den folgenden zwanzigprozentigen Gegenstich wurde nicht hingewiesen. Die steif gefrorenen Hände suchten verzweifelt nach dem kleinsten Gang, Puls schlagartig auf hundertachtzig…!
Mit mäßigem Tempo, permanent pedalierend, ging es talwärts. Nach einiger Zeit folgte erneut ein zehn Kilometer langer Anstieg, der die erfrorenen Körperteile wieder zum schmelzen brachte. Die letzten fünfzig Kilometer ging es mehr oder weniger permanent bergab zurück zum Hotel. Gegen Ende der Tour kam sogar die Sonne noch durch die Wolkendecke zum Vorschein - in Form eines großen Mittelfingers. Um 17:30 Uhr war die (Tor)Tour zu Ende. Die Räder wurden mit dem Hotel eigenen Hochdruckreiniger vom Tagesdreck befreit und unsere Sportsfreunde freuten sich auf die wärmende Dusche.
Fazit des Tages: rund 140 Gesamtkilometer und 2.600 Höhenmeter - und unsere Sportsfreunde wissen jetzt, wie diese Jungs sich am vergangenen Sonntag gefühlt haben müssen: https://www.instagram.com/reel/DHOYvH8I ... _copy_link
Link zur Tour:
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Re: Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
Eieiei, bis auf das Wetter hört sich das alles ja toll an. Ich wünsche euch für die nächsten Tage auf jeden Fall besseres Wetter und noch viele schöne Höhen- und Kilometer.
- OliverStief
- Beiträge: 53
- Registriert: 3. Sep 2017, 07:05
Re: Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
Vierte Etappe - Coll de la Garga und Coll de Rates
Die Wettervorhersage für den Tag war gar nicht so schlecht. Regen - aber deutlich wärmer als Tags zuvor. Über das „Ob“ wurde heute gar nicht erst diskutiert. Lediglich bei der Streckenwahl hatte der Senior ein gewisses Mitspracherecht. Die Tour von Tag sieben wurde vorgezogen. Neunundachtzig Kilometer standen zur Auswahl; wenn man brav war, auch knapp über hundert. Gestartet wurde um zehn Uhr bei Regen. Die Straßen hatten sich in Hanglage zu reißenden Bächen verwandelt; in Senken stand das Wasser Zentimeter hoch. Wie immer ging es anfangs Kilometerweit bergauf. - Irgendwann ließ der Regen nach und der Spaß begann.
Es war Frühling in Spanien; die Landschaft hier am Fuß des Berges war in saftiges Grün eingebettet (wurde den beiden später berichtet). Die dominierende Farbe des Tages war ein freundliches Grau. Bemerkenswert war der durchdringende Grauton auf der Passhöhe des Coll de la Garga (760 m über NN). Der Anstieg war keine Überraschung - der Senior kannte seinen Sohn - und wechselte permanent zwischen steil und knüppelsteil (ab fünfzehn Prozent). Auf den knüppelsteilen Passagen amüsierte T. sich besonders; sein Lachen durchdrang wiederholt die einsame Stille. Pure Lebensfreude! Die beiden waren unter sich. Allein für diese Momente lohnt sich für einen Vater der ganze Trainingsaufwand. Was für ein Geschenk! Radfahrer waren wieder einmal weit und breit keine in Sicht (wie auch?). Unsere Protagonisten konnten sich voll aufs Treten, Atmen und den Blick unmittelbar vor dem Vorderrad konzentrieren. Mehr war nämlich nicht zu sehen. Der Berg war wolkenverhangen, die Sichtweite lag bei fünfzig Metern.
Nach der Abfahrt - es regnete wieder einmal - ging es auf breiten, top ausgebauten Straßen in vollem Tempo nach Parcent. Mit dem Coll de Rates hatten die beiden noch eine Rechnung offen. Die amtierende Straßen-Weltmeisterin Lotte Kopecky trainierte hier übrigens Tags zuvor; Training für das Rennen „Mailand - San Remo“ am folgenden Wochenende. Vorgesehenen war der Anstieg für unsere Sportler eigentlich für den zweiten Tag. Die Passstraße ließ sich bei vier bis sechs Prozent wunderbar befahren. Das durchdringende Grau verblasste und eröffnete einen tollen Ausblick auf das darunter liegende Tal. T. ließ es sich nicht nehmen, wenigstens einmal am Anstieg den Turbo zu zünden und absolvierte die 6,6 Kilometer bis zum Gipfel mit einer Leistung von durchschnittlich vierhundertvierzehn Watt. Verbranntes Gummi lag in der Luft. Der Alte ging es gemütlicher an, genoss den Berg jedoch trotzdem in vollen Zügen.
Nach knapp über hundert Kilometern und rund tausendachthundert Höhenmetern endete der Radsport-Tag an einem Fahrradladen. Die Bremsbeläge des Ritchey waren fällig.
Link zur Tour:
https://www.komoot.de/tour/2104954409?r ... 5laIx1Fdtk
Die Wettervorhersage für den Tag war gar nicht so schlecht. Regen - aber deutlich wärmer als Tags zuvor. Über das „Ob“ wurde heute gar nicht erst diskutiert. Lediglich bei der Streckenwahl hatte der Senior ein gewisses Mitspracherecht. Die Tour von Tag sieben wurde vorgezogen. Neunundachtzig Kilometer standen zur Auswahl; wenn man brav war, auch knapp über hundert. Gestartet wurde um zehn Uhr bei Regen. Die Straßen hatten sich in Hanglage zu reißenden Bächen verwandelt; in Senken stand das Wasser Zentimeter hoch. Wie immer ging es anfangs Kilometerweit bergauf. - Irgendwann ließ der Regen nach und der Spaß begann.
Es war Frühling in Spanien; die Landschaft hier am Fuß des Berges war in saftiges Grün eingebettet (wurde den beiden später berichtet). Die dominierende Farbe des Tages war ein freundliches Grau. Bemerkenswert war der durchdringende Grauton auf der Passhöhe des Coll de la Garga (760 m über NN). Der Anstieg war keine Überraschung - der Senior kannte seinen Sohn - und wechselte permanent zwischen steil und knüppelsteil (ab fünfzehn Prozent). Auf den knüppelsteilen Passagen amüsierte T. sich besonders; sein Lachen durchdrang wiederholt die einsame Stille. Pure Lebensfreude! Die beiden waren unter sich. Allein für diese Momente lohnt sich für einen Vater der ganze Trainingsaufwand. Was für ein Geschenk! Radfahrer waren wieder einmal weit und breit keine in Sicht (wie auch?). Unsere Protagonisten konnten sich voll aufs Treten, Atmen und den Blick unmittelbar vor dem Vorderrad konzentrieren. Mehr war nämlich nicht zu sehen. Der Berg war wolkenverhangen, die Sichtweite lag bei fünfzig Metern.
Nach der Abfahrt - es regnete wieder einmal - ging es auf breiten, top ausgebauten Straßen in vollem Tempo nach Parcent. Mit dem Coll de Rates hatten die beiden noch eine Rechnung offen. Die amtierende Straßen-Weltmeisterin Lotte Kopecky trainierte hier übrigens Tags zuvor; Training für das Rennen „Mailand - San Remo“ am folgenden Wochenende. Vorgesehenen war der Anstieg für unsere Sportler eigentlich für den zweiten Tag. Die Passstraße ließ sich bei vier bis sechs Prozent wunderbar befahren. Das durchdringende Grau verblasste und eröffnete einen tollen Ausblick auf das darunter liegende Tal. T. ließ es sich nicht nehmen, wenigstens einmal am Anstieg den Turbo zu zünden und absolvierte die 6,6 Kilometer bis zum Gipfel mit einer Leistung von durchschnittlich vierhundertvierzehn Watt. Verbranntes Gummi lag in der Luft. Der Alte ging es gemütlicher an, genoss den Berg jedoch trotzdem in vollen Zügen.
Nach knapp über hundert Kilometern und rund tausendachthundert Höhenmetern endete der Radsport-Tag an einem Fahrradladen. Die Bremsbeläge des Ritchey waren fällig.
Link zur Tour:
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- Werkstatt, Bar und Radsport-Treffpunkt in Calpe. An sonnigen Tagen ist hier ordentlich was los.
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- Coll de la Garga im Nebel
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Das Machen m8's!
Re: Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
Moin Olli, moin Tom,
vielen Dank für die ausführlichen und schönen Erlebnisberichte. Schade, dass Euch die Sonne und Wärme nicht vergönnt ist. Für die weiteren Touren wünsche ich Euch Sonne und Wärme in kurz/kurz.
MrrsG aus dem sonnigen Athletico-RR-Revier
Henning
vielen Dank für die ausführlichen und schönen Erlebnisberichte. Schade, dass Euch die Sonne und Wärme nicht vergönnt ist. Für die weiteren Touren wünsche ich Euch Sonne und Wärme in kurz/kurz.
MrrsG aus dem sonnigen Athletico-RR-Revier
Henning
- OliverStief
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Re: Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
Fünfte Etappe - Puerto de Tudons
Nach dem gestrigen Ruhetag sollte es heute wieder auf eine längere Tour gehen. Das Unwetter hat sich verzogen und es war ein trockener, weitgehend windstiller, wechselwolkiger Tag bei milden Temperaturen angekündigt. Eine gute Gelegenheit für die Besteigung des Puerto de Tudons (1025 Meter ü. NN), dem höchsten Punkt im Verlauf dieser Urlaubsreise. Der Anstieg begann im Örtchen Sella. Auf dem Weg dorthin wies eine Bergformation gewisse Ähnlichkeiten zum Passo Giau auf; Erinnerungen an die gemeinsame Dolomiten-Reise vor knapp zwei Jahren kamen auf. Der rund fünfzehn Kilometer lange Anstieg ließ sich bei Steigungswerten von maximal elf Prozent (durchschnittlich fünf Prozent) flüssig fahren und bot unseren Sportsfreunden viel Raum für genussvolle Blicke über eine traumhafte Landschaft. Die Straßen füllten sich übrigens wieder mit Radsportlern aller Nationen. Nach Erreichen der Passhöhe ging es vorerst rund acht Kilometer auf hervorragend ausgebauten, angenehm geschwungenen Straßen abwärts.
Zurück ging es durch das Vall de la Gallinera bis zur Küste. Die Küstenstraße zwischen Pego und Denia ist nicht erwähnenswert; sie führte in zweiter Reihe durch aneinandergereihte unschöne Urlaubsdomizile. Danach wurde es wieder interessant, weil das ständige Auf und Ab für stetigen Blickwechsel auf die bevorzugten Wohngebiete am Steilufer sorgte. Nach knapp unter neun Stunden endete die kleine Rundreise unserer Radsport-Freunde ohne nennenswerte Vorkommnisse.
Erwähnenswert ist der äußerst respektvolle Umgang der spanischen Kraftfahrzeugführer mit den Radsportlern. Ließ die Streckenführung ein sicheres Überholen nicht zu, fuhren diese teils minutenlang in gebührendem Abstand hinterher und überholten erst, wenn ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten werden konnte. Es schien, als hätten die Fahrzeugführer allesamt selbst ein Rennrad in der Garage stehen und sahen sich als Teil dieser Gemeinschaft.
Fazit des Tages: 179 Tageskilometer, 2.700 Höhenmeter und zwei mit sich und den Rahmenbedingungen zufriedene Sportsfreunde
Link zur Tour:
https://www.komoot.de/tour/2106810401?r ... 9rQELcygB7
Nach dem gestrigen Ruhetag sollte es heute wieder auf eine längere Tour gehen. Das Unwetter hat sich verzogen und es war ein trockener, weitgehend windstiller, wechselwolkiger Tag bei milden Temperaturen angekündigt. Eine gute Gelegenheit für die Besteigung des Puerto de Tudons (1025 Meter ü. NN), dem höchsten Punkt im Verlauf dieser Urlaubsreise. Der Anstieg begann im Örtchen Sella. Auf dem Weg dorthin wies eine Bergformation gewisse Ähnlichkeiten zum Passo Giau auf; Erinnerungen an die gemeinsame Dolomiten-Reise vor knapp zwei Jahren kamen auf. Der rund fünfzehn Kilometer lange Anstieg ließ sich bei Steigungswerten von maximal elf Prozent (durchschnittlich fünf Prozent) flüssig fahren und bot unseren Sportsfreunden viel Raum für genussvolle Blicke über eine traumhafte Landschaft. Die Straßen füllten sich übrigens wieder mit Radsportlern aller Nationen. Nach Erreichen der Passhöhe ging es vorerst rund acht Kilometer auf hervorragend ausgebauten, angenehm geschwungenen Straßen abwärts.
Zurück ging es durch das Vall de la Gallinera bis zur Küste. Die Küstenstraße zwischen Pego und Denia ist nicht erwähnenswert; sie führte in zweiter Reihe durch aneinandergereihte unschöne Urlaubsdomizile. Danach wurde es wieder interessant, weil das ständige Auf und Ab für stetigen Blickwechsel auf die bevorzugten Wohngebiete am Steilufer sorgte. Nach knapp unter neun Stunden endete die kleine Rundreise unserer Radsport-Freunde ohne nennenswerte Vorkommnisse.
Erwähnenswert ist der äußerst respektvolle Umgang der spanischen Kraftfahrzeugführer mit den Radsportlern. Ließ die Streckenführung ein sicheres Überholen nicht zu, fuhren diese teils minutenlang in gebührendem Abstand hinterher und überholten erst, wenn ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten werden konnte. Es schien, als hätten die Fahrzeugführer allesamt selbst ein Rennrad in der Garage stehen und sahen sich als Teil dieser Gemeinschaft.
Fazit des Tages: 179 Tageskilometer, 2.700 Höhenmeter und zwei mit sich und den Rahmenbedingungen zufriedene Sportsfreunde
Link zur Tour:
https://www.komoot.de/tour/2106810401?r ... 9rQELcygB7
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- Die Hotelküche lässt es sich nicht nehmen, den Vätern zu danken. Der Dank geht zurück an die Familien. Ohne sie wäre das Vater-Dasein - so wie in diesem Urlaub - nicht möglich.
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- Reinigung des Rades in einer top ausgestatteten Hotel-Werkstatt - mit Werkzeug vom allerfeinsten.
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- OliverStief
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Re: Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
Sechste Etappe - Coll de Rates, Vall d‘Ebo, Puerto de Sa Creueta
Der übliche Fünf-Uhr-Kaffee wurde - wie Vortags übrigens auch - erst gegen sechs Uhr eingenommen. Machte sich etwa ein Anflug von Erschöpfung bemerkbar? Die Garmin am Handgelenk eines unserer Helden wies eine Trainingsbereitschaft von einem Prozent aus. Woraus die das immer ermitteln?! Und wie sollte man mit dieser Aussage umgehen? Man konnte schließlich den Urlaub nicht einfach unterbrechen. Und die Tagestouren des Juniors waren nun mal Gesetz(t). Aber kein Grund zur Sorge! Das würde sich erfahrungsgemäß im Laufe des Tages schon wieder entwickeln. Man musste nur auf den eigenen - vernebelten - Verstand hören; Warnsignale des Körpers, wie ein vom feuchten Milieu der Vortage wund gerittenes Gesäß oder des Nachts unkontrolliert zuckende Beinmuskulatur galt es tunlichst zu ignorieren. Gegen die zuckende Beinmuskulatur konnte man etwas unternehmen: Trinken (natürlich mit den entsprechenden Auswirkungen; die viele Flüssigkeit entwickelte weitere Bedürfnisse). Regeneration war ansonsten für den Rückreisetag eingeplant.
Schönwetterprognosen haben es an sich, dass sie viel Interpretationsspielraum bieten. Zutreffen müssen diese in der Regel nicht. Wichtig ist nur, dass die Menschen daran glauben. Es ist halt ein Wortspiel, welches man zu nehmen wissen muss: V(orh)ERSAGEN (man muss sich nur auf den Ursprung des Wortes berufen). - Fährt man an einem als Frühlingstag prognostizierten Tag in Sommerkleidung in den Bergen mit dem Rennrad, kann dass ein böses Erwachen nach sich ziehen. Diese Erfahrung durften unsere Sportsfreunde heute ebenfalls mitnehmen.
Der erste Teil der Ausfahrt führte durch die Nobel-Vororte der betuchten spanischen Gesellschaft. So ließ es sich leben! Dann ging es bei frühlingshaften Temperaturen die Rampe nach Tarbena hinauf. Dort ging es weiter in Richtung Coll de Rates. Kurz vor der Passhöhe schlug das Wetter um. Der Himmel war wolkenverhangen und wieder einmal erbot sich der Ausblick in traumhaften Grautönen. Und wie das so ist, im Nebel: Fährt man mit dreißig Sachen talwärts da durch, entsteht der Eindruck, als führe man durch einen Regenschauer. Die Feuchtigkeit in der Luft sammelt sich in der ohnehin schon spärlichen Bekleidung und sorgt für eine erfrischende Kühle auf der Hautoberfläche. Dieser Effekt hielt bis zum nächsten Anstieg, rund zweiundzwanzig Kilometer entfernt, an. Die folgenden drei Anstiege absolvierten unsere Sportler ebenfalls in Nebel verhangener Landschaft. Herrlich! Jetzt wussten die beiden, was ihnen am Vortag fehlte. Wieder in Tarbena angekommen schlug das Wetter wieder von Spätherbst auf Frühling um. Kurz hinter dem Örtchen wärmten die beiden sich bei Kaffee und Kuchen in der Sonne auf.
Noch ein Wort zu den Vorteilen des Älterwerdens: Der Alte kommt an einem Radtag wie gestern inzwischen mit rund anderthalb Liter Flüssigkeit aus. Die Muskulatur geht zurück, die Hirnleistung sinkt. Da vergisst man das Trinken einfach. Und genau das will man im Urlaub ja erreichen: Abstand nehmen von den Alltagssorgen. Vorteil am Berg: Man braucht das Zeug gar nicht erst den Anstieg hinauf schaffen.
Fazit des Tages: 140 Gesamtkilometer, rund 2.900 Höhenmeter und das erworbene Wissen um die Entstehungsgeschichte einer ganzen Berufsgruppe: Wer in der mittelalterlichen Landwirtschaft oder im Handwerk nichts leistete, war häufig ein Wahr- oder V(orh)ersager.
(Hinweis an die geneigte Leserschaft: Dieser Text birgt viel Ironie… verbunden mit einem Fünkchen Wahrheit!)
Link zur Tour:
https://www.komoot.de/tour/2108745925?r ... XXXb8Y89El
Der übliche Fünf-Uhr-Kaffee wurde - wie Vortags übrigens auch - erst gegen sechs Uhr eingenommen. Machte sich etwa ein Anflug von Erschöpfung bemerkbar? Die Garmin am Handgelenk eines unserer Helden wies eine Trainingsbereitschaft von einem Prozent aus. Woraus die das immer ermitteln?! Und wie sollte man mit dieser Aussage umgehen? Man konnte schließlich den Urlaub nicht einfach unterbrechen. Und die Tagestouren des Juniors waren nun mal Gesetz(t). Aber kein Grund zur Sorge! Das würde sich erfahrungsgemäß im Laufe des Tages schon wieder entwickeln. Man musste nur auf den eigenen - vernebelten - Verstand hören; Warnsignale des Körpers, wie ein vom feuchten Milieu der Vortage wund gerittenes Gesäß oder des Nachts unkontrolliert zuckende Beinmuskulatur galt es tunlichst zu ignorieren. Gegen die zuckende Beinmuskulatur konnte man etwas unternehmen: Trinken (natürlich mit den entsprechenden Auswirkungen; die viele Flüssigkeit entwickelte weitere Bedürfnisse). Regeneration war ansonsten für den Rückreisetag eingeplant.
Schönwetterprognosen haben es an sich, dass sie viel Interpretationsspielraum bieten. Zutreffen müssen diese in der Regel nicht. Wichtig ist nur, dass die Menschen daran glauben. Es ist halt ein Wortspiel, welches man zu nehmen wissen muss: V(orh)ERSAGEN (man muss sich nur auf den Ursprung des Wortes berufen). - Fährt man an einem als Frühlingstag prognostizierten Tag in Sommerkleidung in den Bergen mit dem Rennrad, kann dass ein böses Erwachen nach sich ziehen. Diese Erfahrung durften unsere Sportsfreunde heute ebenfalls mitnehmen.
Der erste Teil der Ausfahrt führte durch die Nobel-Vororte der betuchten spanischen Gesellschaft. So ließ es sich leben! Dann ging es bei frühlingshaften Temperaturen die Rampe nach Tarbena hinauf. Dort ging es weiter in Richtung Coll de Rates. Kurz vor der Passhöhe schlug das Wetter um. Der Himmel war wolkenverhangen und wieder einmal erbot sich der Ausblick in traumhaften Grautönen. Und wie das so ist, im Nebel: Fährt man mit dreißig Sachen talwärts da durch, entsteht der Eindruck, als führe man durch einen Regenschauer. Die Feuchtigkeit in der Luft sammelt sich in der ohnehin schon spärlichen Bekleidung und sorgt für eine erfrischende Kühle auf der Hautoberfläche. Dieser Effekt hielt bis zum nächsten Anstieg, rund zweiundzwanzig Kilometer entfernt, an. Die folgenden drei Anstiege absolvierten unsere Sportler ebenfalls in Nebel verhangener Landschaft. Herrlich! Jetzt wussten die beiden, was ihnen am Vortag fehlte. Wieder in Tarbena angekommen schlug das Wetter wieder von Spätherbst auf Frühling um. Kurz hinter dem Örtchen wärmten die beiden sich bei Kaffee und Kuchen in der Sonne auf.
Noch ein Wort zu den Vorteilen des Älterwerdens: Der Alte kommt an einem Radtag wie gestern inzwischen mit rund anderthalb Liter Flüssigkeit aus. Die Muskulatur geht zurück, die Hirnleistung sinkt. Da vergisst man das Trinken einfach. Und genau das will man im Urlaub ja erreichen: Abstand nehmen von den Alltagssorgen. Vorteil am Berg: Man braucht das Zeug gar nicht erst den Anstieg hinauf schaffen.
Fazit des Tages: 140 Gesamtkilometer, rund 2.900 Höhenmeter und das erworbene Wissen um die Entstehungsgeschichte einer ganzen Berufsgruppe: Wer in der mittelalterlichen Landwirtschaft oder im Handwerk nichts leistete, war häufig ein Wahr- oder V(orh)ersager.
(Hinweis an die geneigte Leserschaft: Dieser Text birgt viel Ironie… verbunden mit einem Fünkchen Wahrheit!)
Link zur Tour:
https://www.komoot.de/tour/2108745925?r ... XXXb8Y89El
- Dateianhänge
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- Die Wolkendecke teilte die Costa Blanca in eine Nord- (kühl und feucht) und eine Südhälfte (trocken und warm). Unsere Nordlichter bevorzugten aus guter Tradition die Nordhälfte.
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Das Machen m8's!
- OliverStief
- Beiträge: 53
- Registriert: 3. Sep 2017, 07:05
Re: Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
Siebente Etappe - Porte de Tudons und Porte de Confrides
Der letzte Radtag war angebrochen. Ein letztes Mal sollte es hoch hinaus gehen. Gestartet wurde um viertel nach neun bei Regen. Nach knapp anderthalb Stunden beziehungsweise knapp über zwanzig Kilometern waren die beiden wieder bis auf die Knochen durchnässt; das Wasser stand - wie so oft in den letzten Tagen - in den Schuhen. Der optimale Zustand war also wieder hergestellt. Nachdem das „erledigt“ war, brach die Wolkendecke auf, die Sonne kam raus und der Radspaß konnte bei weitgehend windstillen Bedingungen beginnen.
Dann ging es dreißig Kilometer bergauf. Das Tempo war verhalten und die Kleidung trocknete langsam ab. Nach erreichen der Passhöhe ging es einige Kilometer abwärts zum Örtchen Penaquila. Es folgte eine kurze Hochebene bis zum letzten Anstieg dieser Urlaubsreise, dem Port de Confrides (970 Meter ü. NN). Hier kamen ihnen auch wieder einige Radsportler entgegen. Zuvor genossen unsere Helden letztmalig die stundenlange Stille und Einsamkeit in den Bergen der Costa Blanca. Nach knapp hundertdreißig Kilometern und rund zweitausendvierhundert Höhenmetern endete auch diese Radtour unfall- und pannenfrei.
Link zur Tour:
https://www.komoot.de/tour/2110405917?r ... 2KZQlFXIC8
Fazit dieser Urlaubsreise:
Es hat sich wieder einmal gelohnt! Die teils widrigen Rahmenbedingungen stellten unsere Sportsfreunde nicht vor größere Probleme. Ganz im Gegenteil: Was haben die beiden zwischendurch gelacht und sich über die außergewöhnlichen Momente amüsiert - besonders an den teils knüppelsteilen Anstiegen! Sie erlebten keine Pannen und haben genau das umgesetzt, was sie sich vorgenommen hatten - eine Woche purer Radsport - in einer Intensität, wie sie wohl nur sehr selten zwischen zwei Radverrückten gelebt wird. Genau das war der Plan und sie haben ihn wieder einmal sehr genossen. Für den Papa war es wie immer das größte Geschenk. Es erfüllte ihn mit Freude und Dankbarkeit, das Familienleben auf derart intensive Weise leben zu dürfen.
Die Costa Blanca war eine tolle Alternative zum letztjährigen Mallorca-Aufenthalt. Das Leihrad war top, Die Straßenverhältnisse und -verläufe boten alles, was das fortgeschrittene Radsportler-Herz begehrt. Auch bei den Anstiegen kamen die beiden auf ihre Kosten. (Hinweis: Viel Ausdauer und Kraft - verbunden mit entsprechender Vorbereitung - ist dringend ratsam! Man muss die Berge lieben; Flachetappen kommen hier nicht vor. Die Anstiege beginnen immer ab Kilometer Null.) Auch die Gastronomie ist perfekt auf den Radtourismus eingestellt; das Hotel war es sowieso und sehr zu empfehlen. Eine erneuter Aufenthalt in Calp ist für unsere Sportler definitiv nicht auszuschließen.
Auch der Junior freut sich übrigens auf eine Fortsetzung der gemeinsamen Urlaubsaktivitäten: Die Französischen Alpen müssen ebenfalls dringend „vermessen“ werden. Einige wenige der höchsten Alpenpässe und Monumente des Radsports stehen noch auf ihrer Liste der zu erledigenden Aufgaben. Die Trainingsvorbereitungen können beginnen - eigentlich unmittelbar nach der Heimkehr…
Link zu den gesammelten Urlaubs Kilometern:
https://www.komoot.de/tour/2112718414?r ... sXQ5AEys2D
Laut Garmin gemessene Werte: 950 Gesamtkilometer, 44,5 Stunden Bewegungszeit, 17.320 Höhenmeter
Der letzte Radtag war angebrochen. Ein letztes Mal sollte es hoch hinaus gehen. Gestartet wurde um viertel nach neun bei Regen. Nach knapp anderthalb Stunden beziehungsweise knapp über zwanzig Kilometern waren die beiden wieder bis auf die Knochen durchnässt; das Wasser stand - wie so oft in den letzten Tagen - in den Schuhen. Der optimale Zustand war also wieder hergestellt. Nachdem das „erledigt“ war, brach die Wolkendecke auf, die Sonne kam raus und der Radspaß konnte bei weitgehend windstillen Bedingungen beginnen.
Dann ging es dreißig Kilometer bergauf. Das Tempo war verhalten und die Kleidung trocknete langsam ab. Nach erreichen der Passhöhe ging es einige Kilometer abwärts zum Örtchen Penaquila. Es folgte eine kurze Hochebene bis zum letzten Anstieg dieser Urlaubsreise, dem Port de Confrides (970 Meter ü. NN). Hier kamen ihnen auch wieder einige Radsportler entgegen. Zuvor genossen unsere Helden letztmalig die stundenlange Stille und Einsamkeit in den Bergen der Costa Blanca. Nach knapp hundertdreißig Kilometern und rund zweitausendvierhundert Höhenmetern endete auch diese Radtour unfall- und pannenfrei.
Link zur Tour:
https://www.komoot.de/tour/2110405917?r ... 2KZQlFXIC8
Fazit dieser Urlaubsreise:
Es hat sich wieder einmal gelohnt! Die teils widrigen Rahmenbedingungen stellten unsere Sportsfreunde nicht vor größere Probleme. Ganz im Gegenteil: Was haben die beiden zwischendurch gelacht und sich über die außergewöhnlichen Momente amüsiert - besonders an den teils knüppelsteilen Anstiegen! Sie erlebten keine Pannen und haben genau das umgesetzt, was sie sich vorgenommen hatten - eine Woche purer Radsport - in einer Intensität, wie sie wohl nur sehr selten zwischen zwei Radverrückten gelebt wird. Genau das war der Plan und sie haben ihn wieder einmal sehr genossen. Für den Papa war es wie immer das größte Geschenk. Es erfüllte ihn mit Freude und Dankbarkeit, das Familienleben auf derart intensive Weise leben zu dürfen.
Die Costa Blanca war eine tolle Alternative zum letztjährigen Mallorca-Aufenthalt. Das Leihrad war top, Die Straßenverhältnisse und -verläufe boten alles, was das fortgeschrittene Radsportler-Herz begehrt. Auch bei den Anstiegen kamen die beiden auf ihre Kosten. (Hinweis: Viel Ausdauer und Kraft - verbunden mit entsprechender Vorbereitung - ist dringend ratsam! Man muss die Berge lieben; Flachetappen kommen hier nicht vor. Die Anstiege beginnen immer ab Kilometer Null.) Auch die Gastronomie ist perfekt auf den Radtourismus eingestellt; das Hotel war es sowieso und sehr zu empfehlen. Eine erneuter Aufenthalt in Calp ist für unsere Sportler definitiv nicht auszuschließen.
Auch der Junior freut sich übrigens auf eine Fortsetzung der gemeinsamen Urlaubsaktivitäten: Die Französischen Alpen müssen ebenfalls dringend „vermessen“ werden. Einige wenige der höchsten Alpenpässe und Monumente des Radsports stehen noch auf ihrer Liste der zu erledigenden Aufgaben. Die Trainingsvorbereitungen können beginnen - eigentlich unmittelbar nach der Heimkehr…
Link zu den gesammelten Urlaubs Kilometern:
https://www.komoot.de/tour/2112718414?r ... sXQ5AEys2D
Laut Garmin gemessene Werte: 950 Gesamtkilometer, 44,5 Stunden Bewegungszeit, 17.320 Höhenmeter
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- Das Rennrad ist verstaut und wartet auf den nächsten Einsatz - in rund vier Wochen mit den Athleticos auf Mallorca
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Das Machen m8's!
Re: Costa Blanca - wo die Profiis trainieren
Moin ihr beiden,
vielen Dank für die großartigen Einblicke in euer Leben während einer Woche Quälerei. Es war (wie immer) ein außerordentliches Vergnügen, bei euren Abfahrten im einstellig temperierten Nebel oder gar Regen auf dem Sofa liegend so richtig mitzuleiden... den frischen Kaffee
und sogar ein schönes Stück Kuchen
nur eine Armlänge entfernt. Aber Spaß beiseite, während der Schilderungen der sonnigen und wärmeren Abschnitte kam schon ein bisschen Neid auf.
Alles Gute für die nächste Tortur!
vielen Dank für die großartigen Einblicke in euer Leben während einer Woche Quälerei. Es war (wie immer) ein außerordentliches Vergnügen, bei euren Abfahrten im einstellig temperierten Nebel oder gar Regen auf dem Sofa liegend so richtig mitzuleiden... den frischen Kaffee
Alles Gute für die nächste Tortur!