Seite 1 von 1

Ironman Kalmar - "Alter Schwede" schön anstrengend

Verfasst: 17. Aug 2025, 19:12
von MichaelRu
Meine Geschichte zum IM Kalmar beginnt im Jahr 2023, als ich mich nach Kopenhagen zu der zweiten skandinavischen Ausgabe des Ironman-Zirkus anmeldete. Durch falsches Belastungsmanagement mit muskulären Reizungen musste ich die 2024er Ausgabe mit Tränen in den Augen absagen. Gleichzeitig sollte diese unvollendete Angelegenheit die Herausforderung für 2025 werden. Also gleich wieder angemeldet und gute Vorsätze für ein angepasstes Trainingsvolumen und Krafttraining formuliert. Rückblickend kann ich nun sagen, dass dies sehr gut funktioniert hat. Gleichzeitig muss ich anerkennen, dass die Zeiten nicht mehr ganz so zügig sein können, wie ich früher relativ locker unter die 10h-Marke kam. Aber die Zeit ist mir jetzt nicht mehr so wichtig. Das Erlebnis und das solide Finish zählt für mich in erster Linie..

Zu Schweden habe ich viele Kindheits- und Urlaubserinnerungen. Die Landschaft ist mit ihren bunten Holzhäusern wie gemalt und gibt so auch das Välkommens-Gefühl des Schwedenvolkes wieder.

Unsere Unterkunft hatten wir nach erstem Aufenthalt auf dem Stensö - Campingplatz günstig im Hostel STF Linne auf Öland. Das hieß, dass zur Veranstaltung ca dreißig Minuten Fahrtzeit einzukalkulieren war. Durch gute Infrastruktur und ausreichend Parkplätze kein Problem. Im Bus haben wir immer kleine Falträder dabei, um flexibel zu sein. Die Weckzeit hatten wir auf 03:50 Uhr gestellt.

Das Zentrum der Veranstaltung ist am Hafen- und Altstadtbereich optimal im Stimmungsnest "spectator-friendly" gelegen.

Der Schwimmkurs geht zick-zack durch das Hafenbecken und entlang der Kaimauer vor den Zuschauern. Vor dem Start eine bewegende Motivationspredigt von Paul Kaye, dem wohl besten "Speaker" von Ironman.

Das Schwimmen fühlte sich für mich nach den ersten holprigen Metern immer besser an. Ganz leichte Dünungswellen, wie ich es liebe. Im Blick die Ölandbrücke und die Hafenaltstadt. Meine Zeit betrug 1:02h und die erste Disziplin raubte zum Glück nicht viel Kraft.

Bei Sonnenschein und aufkommender Wärme bis ca 25 Grad ging es direkt 6km über die Ölandbrücke. Diese beinhaltet den höchsten Punkt der Strecke. Insgesamt hat der Kurs 750hm. Herausfordernd waren für mich die nördlichen Winde und die gewisse Eintönigkeit Ölands. Auf dem südlichen Weg durchs "Alvaret-Kalkgebiet" wurde mir bei +/- 40kmh mit Rückenwind und ohne viel Kraft schon etwas mulmig in Gedanken zum Rückweg. Also gleich eine mentale Strategie als Parole ausgeben. Diese brauchte ich dann auch auf rd. 50km gegen die Windkante auf der Hochebene. Wie ich es kenne, verlor ich hier zig Plätze und fuhr meist alleine auf weiter Flur. Mein Wunsch war, erstmal nur wieder ohne zu viel Kraftverlust nach ca 115km von der Insel zu kommen. Dann folgte nämlich ein abwechslungsreicher hügeliger Teil durchs Hinterland. Dies war begleitet von sehr idyllischer Landschaft. Fans und Stimmungsnester in Form von Gartenpartys brachten weitere Abwechslung. Trotzdem kommt man bei 180km irgendwann an den Punkt, wo man nur noch ankommen möchte, um den dritten Teil in Angriff zu nehmen. So vergang letztlich die Radstrecke mit 5:26h und nun war es wirklich warm, so dass ich mich ein wenig "getoasted" fühlte.

Beim Ironman - Marathon habe ich die Erfahrung gemacht, dass man im zweiten Laufteil immer sehr viel Disziplin aufwenden muss, um ein gutes Tempo zu halten. Dies ging mir dieses Mal besonders so. Es waren drei Runden je 14km, die sich von den Restaurants, Bars, Plätzen und Kanälen in der Altstadt bis durch die guten Wohngegenden der Nordstadt zogen. Den ganzen Zuschauern ist sehr zu danken. Beispiellos waren die Partymeilen in der Wohngegend. Hier rechnet man nicht mit so viel Stimmung. Mir wurde im Athletengarten später erzählt, dass die Anwohner in Stockholm extra große Boxen für die Beschallung gemietet hätten. Viele spritzen uns mit Gartenschläuchen nass, wenn man es wollte. Ich wollte immer. Ich vermisste nämlich die gewohnten Eiswürfel und Schwämme.

Der Lauf wurde in der zweiten Hälfte sehr zäh und ich hatten den ersten von zwei Tiefpunkten. Dies konnte ich Janine zu verstehen geben, als sie im Abschnitt vor der Stadionrunde mit dem Faltrad auftauchte, um mir gut zuzusprechen, dass ich es doch schaffen würde und es nach ihrem Eindruck ganz gut lief. Ich schaffte es, das Gesamtgefühl zwischen muskulärer Müdigkeit, leichter Übelkeit und mentaler Willensstärke in der Balance zu bleiben und den Lauf Kilometer für Kilometer zu bewältigen. Das zweite Stimmungstief war so auch überwunden. Im letzten Kilometer kommt das Wahnsinnsgefühl, es gleich geschafft zu haben. Riesentribüne im Zielkanal. Grandiose Stimmung. Laufzeit 3:28h und Gesamtzeit 10:07h (Platz 266 gesamt, 33. AK).

Danke Kalmar!
539922021.jpg
Run
539922021.jpg (270.34 KiB) 96 mal betrachtet
IMG-20250816-WA0029.jpg
Geschafft :)
IMG-20250816-WA0029.jpg (131.86 KiB) 127 mal betrachtet
539912634.jpg
Bike
539912634.jpg (240.62 KiB) 96 mal betrachtet